Geschichte der Kollenburg

Burggeschichte und Burggeschichten

Die Geschichte der Kollenburg erzählen wir auf zweierlei Weise:

Die Baugeschichte der Burg, welche Teile wann und zu welchem Zweck gebaut wurden
und
die Adelsgeschichte derer, die die Burg gebaut und bewohnt haben.

Kollenburg







Burgen haben schon immer die Fantasien und Gedanken der Menschen beschäftigt.


Die Bauwerke am Untermain sind in Ihrem Kern überwiegend in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts entstanden.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden sie kontinuierlich ausgebaut und erweitert. Die Burg war als Sonderform im Wehrbau ein befestigter Wohnsitz des Adels. Sie wurde von einer oder mehreren Adelsfamilien, der Dienerschaft und den Kriegsknechten bewohnt.

Sie war ein Mittel zur Ausübung der Herrschaft und daneben auch Ausdruck des adeligen Selbstbewusstseins sowie der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung.

Die Burg als wehrhafter Wohnbau hatte gleichzeitig die Funktion einer Festung zur Verteidigung und die eines Wohn- und Repräsentationsbaus. Als Bauwerk war sie ein Statussymbol des Landesherrn. Sie drückte durch ihre Gestalt, die Besonderheit der Bauplanung und die Qualität des Baumaterials die politische und wirtschaftliche Macht, sowie den Anspruch des Bauherrn auf die betreffende Region aus.












Baugeschichte

Unsere Burg wurde in mindestens vier Bauphasen erbaut und erweitert.

Die Kernburg von Conradus Colbo, Schenk von Schüpf

Die Kernburg bildet ein Donjon (Wohnturm), mit umliegenden Ökonomiegebäuden. Diese älteste Bauphase der Burg ist heute noch an den Ecken, durch die Buckel-Quader zu erkennen. Darum besaß die Kollenburg keinen Bergfried.

Besitzerwechsel mit Bau der Kapelle

Auf dem ursprünglichen Vorratsbau/Pferdestall wurde ein zweiter Wohnbau errichtet. Dieser verfügte über zwei Stockwerke und war für die damalige Zeit als sehr repräsentativ anzusehen.

Neue Ringmauer mit Torbau und Streichwehr.

Verlängerung des Wohnbaues mitsamt dem darunterliegenden Vorratskeller. Dreigeschossige Fassade mit Treppentürmen an beiden Ansitzen. Austretende Streichwehr mit zweigeschossiger Schießkammer.

Letzte Umbauten mit Verstärkung der Nordseite

Der Torrahmen der Zugbrückenverblendung ist noch sehr gut zu erkennen. Inschrift über dem Scheitelstein des Tores:
Anno 1609 hat der Edel und veste Adam Julius Rude V.C.V.B. (von Collenberg und von Böttigheim) das gebaut.




© TBM - Timo Breidenbach Medienservice






Die Bauabfolge der Kollenburg

nach Prof. Dr. phil. G. Ulrich Großmann - Mai 2020

Erste Bauphase

2. Hälfte 13. oder 14. Jahrhundert
Ältester Bauteil ist der Kernbau des westlichen Wohnbaus, ein „Festes Haus“, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert, wahrscheinlich der 2. Jahrhunderthälfte. Drei der vier Gebäudeecken sind klar erkennbar, an zwei Ecken sind Eckbuckelquader, mehrheitlich mit Zangenlöchern (also nicht vor ca. 1250) erhalten. Feulner (BKDM) datiert – vorsichtig – ins 14. Jahrhundert.

Deutlich größere Eckbuckelquader gibt es ferner an der Südostecke des südöstlichen Wohnbaus. Hier könnte es sich um eine ältere Ringmauer handeln, die eventuell noch ins 13. Jh. zurückreicht.

Zweite Bauphase

15. Jahrhundert
Dazu gehören weite Teile der Befestigung, namentlich der Rundbogenfries der (inneren) Ringmauer, die äußere Ringmauer westlich des Tores, vermutlich auch die Zwingermauer (= äußere Mauer) westlich der inneren Ringmauer. Ob die innere Ringmauer im Prinzip schon dem 14. Jahrhundert angehören kann (Eckbuckelquader an der SO-Ecke, im Format aber größer als die des Wohnbaues), ist derzeit nicht sicher zu bestimmen.

Dritte Bauphase

Um 1500; 2. Bauabschnitt um 1530
Die Bauphase ist zeitlich in die Jahrzehnte um 1500 einzuordnen. Zu ihr gehört die Kaponniere mit Schlüssellochschießscharten und die Mauerverstärkung im Nordwesten. Der mit Schulterbogenportal versehene Zugang zum östlichen Torhaus sowie der östliche Treppenturm könnte ebenfalls jetzt entstanden sein. Letzterer hat Schießscharten zum Hof hin, die sich nur aus der Funktion als Ganerbenburg erklären lässt. Ganerben kamen vielleicht nicht immer friedlich miteinander aus. Ob das Wohnhaus daneben tatsächlich schon dem (13./)14. Jh. angehört oder doch erst jetzt entstand, ist derzeit nicht sicher zu entscheiden.

Vierte Bauphase

Spätrenaissance um 1580 bis 1610
Ein zweitverwendeter Inschrift Stein innen am Tor nennt das Jahr 1587, eine Inschrift am Tor außen 1609. 1609 entstand das heutige Spätrenaissance-Tor innerhalb der älteren nördlichen Außenmauer. Das Giebeldreieck des westlichen Wohnbaues mit seinen Renaissanceformen dürfte dem späten 16. Jahrhundert angehören.


Darstellung der Burg auf einer Jagdgrenzkarte von 1612
.
Quelle: Wackerfuß (1986) Taf. II


Nachfolgende Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun, mit leichten Veränderungen durch C. Full, ist eine künstlerische Interpretation der Kollenburg und gibt einen Eindruck von der Größe und Pracht unserer Burg. Daneben die 3D Darstellung der heutigen Ruine von Timo Breidenbach zum Vegleich.
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Adelsgeschichte

1100
Die Schenken von Schüpf werden ins Maintal geholt.

Kaiser Friedrich I., gen. Barbarossa, und Söhne Heinrich und Friedrich
Quelle: Fulda, Hessische Landesbibliothek, Cod. D. 11, fol. 14r.

1146
Conradus Colbo Schenk von Schüpf erbaut die Kollenburg.

"Der Schenke vo Limburg" (Der Beiname Colbo verweisst auf die Streitkolben im Wappen), Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), Universitätsbibliothek Heidelberg

ca. 1240
Wipertus Rüde de Rüdenau erhält die Collenburg vom Deutschen Orden zu Lehen und Erbe.
1286
Die Burg Kollenberg ist Lehen des Deutschen Ordens.
1345
Kaiser Ludwig der Bayer verleiht den Rüdt von Collenberg den Judenschutz über die Dörfer Fechenbach und Reistenhausen.

Kaiser Ludwig der Bayer, spätgotisches Epitaph aus rotem Marmor, Frauenkirche München

1466
Die Rüdt stiften die Pfarrei Fechenbach. Anerkennung nach kanonischem Recht.
1486
Die Burg Kollenberg ist Mainzer Lehen.
1489
Dieter Rüdt von Kollenberg stiftet eine Grabkapelle
1493
Eitel Rüdt von Collenberg überfällt Mainschiffe.
1541
Die Rüdt erwerben über Fechenbach das Hals- und Blutgericht zu Fechenberg

Holzschnitt um 1500, Hinrichtungsstätte mit Galgen und Rad, Theuerdank

1635
Durch den Tod des Johann Rüdt von Collenberg erlischt die hier ansässige Linie im Mannesstamm.

Jadgrenzkarte 1612, Wackerfuss 1986 Taf-II

1641
Heirat von Eva Maria von Münster, (Tochter der Susanna von Münster, geb. Rüdt von Collenberg), mit dem Schultheißen Nikolaus Georg von Reigersberg. Eva Maria brachte die Burg mit in die Ehe.

Porträt von Nikolaus Georg von Reigersberg, Rijksmuseum Amsterdam

1740
Kaiser Karl VI stellt in einer Urkunde ein Bannwasser im „Maynstrohm“ vom Schloss bis zur Tränke des Dorfes Reistenhausen aus.

Porträt von Kaiser Karl VI, Hofburg Wien

1754/55
Schlossbau unter Franz Gottlob von Reigersberg und seinem Vormund Johann Philipp Karl von Fechenbach.
1777
Der letzte Jäger zieht von der Burg in das Jagd- und Forsthaus am Fuße der Burg. Es beginnt der Verfall der Burg.
1842
Freiherr Karl von Bethmann kauft den gesamten Reigersberger Besitz dahier.

Stammwappen der Familie Bethmann

1940
Am 7.6.1940 verstirbt Karl-Alexander-Moritz-Heinrich von Bethmann ledig.

Grabstein Friedhof Fechenbach

1941
Der Bethmannische Besitz wird durch die Firma Anton Wissler, Zündholzwarenhersteller erworben.
1971
Die Gemeinden Reistenhausen mit Kirschfurt und Fechenbach schließen sich zur neuen Gemeinde Collenberg zusammen.

Wappen der Gemeinde Collenberg

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