Geschichte der Kollenburg
Burggeschichte und Burggeschichten
Die Geschichte der Kollenburg erzählen wir auf zweierlei Weise:
Die Baugeschichte der Burg, welche Teile wann und zu welchem Zweck gebaut wurden
und
die Adelsgeschichte derer, die die Burg gebaut und bewohnt haben.
Die Bauwerke am Untermain sind in Ihrem Kern überwiegend in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts entstanden.
Baugeschichte
Unsere Burg wurde in mindestens vier Bauphasen erbaut und erweitert.
Die Kernburg von Conradus Colbo, Schenk von Schüpf
Die Kernburg bildet ein Donjon (Wohnturm), mit umliegenden Ökonomiegebäuden. Diese älteste Bauphase der Burg ist heute noch an den Ecken, durch die Buckel-Quader zu erkennen. Darum besaß die Kollenburg keinen Bergfried.
Besitzerwechsel mit Bau der Kapelle
Auf dem ursprünglichen Vorratsbau/Pferdestall wurde ein zweiter Wohnbau errichtet. Dieser verfügte über zwei Stockwerke und war für die damalige Zeit als sehr repräsentativ anzusehen.
Neue Ringmauer mit Torbau und Streichwehr.
Verlängerung des Wohnbaues mitsamt dem darunterliegenden Vorratskeller. Dreigeschossige Fassade mit Treppentürmen an beiden Ansitzen. Austretende Streichwehr mit zweigeschossiger Schießkammer.
Letzte Umbauten mit Verstärkung der Nordseite
Der Torrahmen der Zugbrückenverblendung ist noch sehr gut zu erkennen. Inschrift über dem Scheitelstein des Tores:
Anno 1609 hat der Edel und veste Adam Julius Rude V.C.V.B. (von Collenberg und von Böttigheim) das gebaut.

© TBM - Timo Breidenbach Medienservice
Die Bauabfolge der Kollenburg
nach Prof. Dr. phil. G. Ulrich Großmann - Mai 2020
Erste Bauphase
2. Hälfte 13. oder 14. Jahrhundert
Ältester Bauteil ist der Kernbau des westlichen Wohnbaus, ein „Festes Haus“, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert, wahrscheinlich der 2. Jahrhunderthälfte. Drei der vier Gebäudeecken sind klar erkennbar, an zwei Ecken sind Eckbuckelquader, mehrheitlich mit Zangenlöchern (also nicht vor ca. 1250) erhalten. Feulner (BKDM) datiert – vorsichtig – ins 14. Jahrhundert.
Deutlich größere Eckbuckelquader gibt es ferner an der Südostecke des südöstlichen Wohnbaus. Hier könnte es sich um eine ältere Ringmauer handeln, die eventuell noch ins 13. Jh. zurückreicht.
Zweite Bauphase
15. Jahrhundert
Dazu gehören weite Teile der Befestigung, namentlich der Rundbogenfries der (inneren) Ringmauer, die äußere Ringmauer westlich des Tores, vermutlich auch die Zwingermauer (= äußere Mauer) westlich der inneren Ringmauer. Ob die innere Ringmauer im Prinzip schon dem 14. Jahrhundert angehören kann (Eckbuckelquader an der SO-Ecke, im Format aber größer als die des Wohnbaues), ist derzeit nicht sicher zu bestimmen.
Dritte Bauphase
Um 1500; 2. Bauabschnitt um 1530
Die Bauphase ist zeitlich in die Jahrzehnte um 1500 einzuordnen. Zu ihr gehört die Kaponniere mit Schlüssellochschießscharten und die Mauerverstärkung im Nordwesten. Der mit Schulterbogenportal versehene Zugang zum östlichen Torhaus sowie der östliche Treppenturm könnte ebenfalls jetzt entstanden sein. Letzterer hat Schießscharten zum Hof hin, die sich nur aus der Funktion als Ganerbenburg erklären lässt. Ganerben kamen vielleicht nicht immer friedlich miteinander aus. Ob das Wohnhaus daneben tatsächlich schon dem (13./)14. Jh. angehört oder doch erst jetzt entstand, ist derzeit nicht sicher zu entscheiden.
Vierte Bauphase
Spätrenaissance um 1580 bis 1610
Ein zweitverwendeter Inschrift Stein innen am Tor nennt das Jahr 1587, eine Inschrift am Tor außen 1609. 1609 entstand das heutige Spätrenaissance-Tor innerhalb der älteren nördlichen Außenmauer. Das Giebeldreieck des westlichen Wohnbaues mit seinen Renaissanceformen dürfte dem späten 16. Jahrhundert angehören.
Darstellung der Burg auf einer Jagdgrenzkarte von 1612
.
Nachfolgende Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun, mit leichten Veränderungen durch C. Full, ist eine künstlerische Interpretation der Kollenburg und gibt einen Eindruck von der Größe und Pracht unserer Burg. Daneben die 3D Darstellung der heutigen Ruine von Timo Breidenbach zum Vegleich.
.
Adelsgeschichte
Die Schenken von Schüpf werden ins Maintal geholt.
Kaiser Friedrich I., gen. Barbarossa, und Söhne Heinrich und Friedrich
Quelle: Fulda, Hessische Landesbibliothek, Cod. D. 11, fol. 14r.
Conradus Colbo Schenk von Schüpf erbaut die Kollenburg.
"Der Schenke vo Limburg" (Der Beiname Colbo verweisst auf die Streitkolben im Wappen), Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), Universitätsbibliothek Heidelberg
Wipertus Rüde de Rüdenau erhält die Collenburg vom Deutschen Orden zu Lehen und Erbe.
Die Burg Kollenberg ist Lehen des Deutschen Ordens.
Kaiser Ludwig der Bayer verleiht den Rüdt von Collenberg den Judenschutz über die Dörfer Fechenbach und Reistenhausen.
Kaiser Ludwig der Bayer, spätgotisches Epitaph aus rotem Marmor, Frauenkirche München
Die Rüdt stiften die Pfarrei Fechenbach. Anerkennung nach kanonischem Recht.
Die Burg Kollenberg ist Mainzer Lehen.
Dieter Rüdt von Kollenberg stiftet eine Grabkapelle
Eitel Rüdt von Collenberg überfällt Mainschiffe.
Die Rüdt erwerben über Fechenbach das Hals- und Blutgericht zu Fechenberg
Holzschnitt um 1500, Hinrichtungsstätte mit Galgen und Rad, Theuerdank
Durch den Tod des Johann Rüdt von Collenberg erlischt die hier ansässige Linie im Mannesstamm.
Jadgrenzkarte 1612, Wackerfuss 1986 Taf-II
Heirat von Eva Maria von Münster, (Tochter der Susanna von Münster, geb. Rüdt von Collenberg), mit dem Schultheißen Nikolaus Georg von Reigersberg. Eva Maria brachte die Burg mit in die Ehe.
Porträt von Nikolaus Georg von Reigersberg, Rijksmuseum Amsterdam
Kaiser Karl VI stellt in einer Urkunde ein Bannwasser im „Maynstrohm“ vom Schloss bis zur Tränke des Dorfes Reistenhausen aus.
Porträt von Kaiser Karl VI, Hofburg Wien
Schlossbau unter Franz Gottlob von Reigersberg und seinem Vormund Johann Philipp Karl von Fechenbach.
Der letzte Jäger zieht von der Burg in das Jagd- und Forsthaus am Fuße der Burg. Es beginnt der Verfall der Burg.
Freiherr Karl von Bethmann kauft den gesamten Reigersberger Besitz dahier.
Stammwappen der Familie Bethmann
Am 7.6.1940 verstirbt Karl-Alexander-Moritz-Heinrich von Bethmann ledig.
Grabstein Friedhof Fechenbach
Der Bethmannische Besitz wird durch die Firma Anton Wissler, Zündholzwarenhersteller erworben.
Die Gemeinden Reistenhausen mit Kirschfurt und Fechenbach schließen sich zur neuen Gemeinde Collenberg zusammen.
Wappen der Gemeinde Collenberg
Unterstützen Sie unsere Arbeit zur Erhaltung der Kollenburg durch eine Spende!
Sie können Ihre Spende direkt auf unser Konto Burgfreunde-Kollenburg e.V. mit der nachstehenden IBAN schicken oder scannen Sie den QR Code mit Ihrer Online Banking App.
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Burgfreunde Kollenburg e.V.